Bevor überhaupt von einer Energiewende gesprochen wurde, wurde dies in Mutlangen bereits vollzogen. Es werden 440 000 Liter Heizöl eingespart, was rund elf gefüllte Tanklastzüge ausmacht. Dabei werden rund 1400 Tonnen Co2 pro Jahr vermieden. Zudem hat die Gemeinde für 300 000 Euro die Nachtspeicheröfen gegen eine moderne Heizung mit Anschluss an das Nahwärmenetz getauscht. Als vorbereitende Maßnahme zur Biomasseheizanlage wurde bereits 2009 mit der Verlegung der Nachwärmeleitungen begonnen, was in zwei Abschnitten geschah. Insgesamt 1800 Meter Erdrohre wurden verlegt. Im Anschluss daran erfolgte der Spatenstich für die Biomasseheizanlage im Juni 2011. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf zwei Millionen Euro.
Architekt Armin Stütz stellte das Betriebsgelände vor und bemerkte, das durch den großen Pufferspeicher von 20 000 Liter das Gebäude eine große Höhe hätte haben müssen. Um dies aus städtebaulicher Sicht zu vermeiden, erfolgte eine Abstufung des Gebäudes in notwendige Funktionsflächen. Daher habe sich das Niveau des Kellers auf 6,50 Meter unterhalb des umliegenden Geländes eingependelt, wobei die tiefste Stelle beim Trogkettenförderer bei acht Metern liegt. Für das Gebäude mussten 5000 Kubikmeter Erde bewegt werden. Die Gebäudehülle bestehe aus einer Kassettenfassade, die nicht auf Wärmedämmung sondern auf Schallschutz ausgerichtet sei. Negativ sei die Insolvenz der Rohbaufirma gewesen, die die Fertigstellung um rund zwei Monate verzögerte, was jedoch im Bauablauf etwas kompensiert werden konnte.
Ingenieur Martin Gschwendner erklärte in ausführlichen Worten die technischen Abläufe in der Biomasseheizanlage. Der Kessel habe eine Leistung von 750 Kilowatt, wobei zur Abdeckung der Spitzenlasten zwei Spitzenlastkessel mit 1000 Kilowatt und 500 Kilowatt in der Werkrealschule installiert worden seien. Sehr positiv sie die weitere Rauchgasreinigung. Mutlangen habe sich entschieden, eine weitere Feinstaubreinigung zu erstellen, was die Werte um 70 Prozent unterhalb des amtlichen Grenzwertes drückt. Wichtig ist, dass die Holzhackschnitzel aus regionalem Anbau kämen und auch so kurze Wege zum Endverbraucher hat, um auch dort aktiven Klimaschutz zu betreiben. Er übergab dem Schultes eine Vermeidungsurkunde, auf der die eingesparten Cox-Mengen verzeichnet sind.
Landrat Klaus Pavel zollte der Gemeinde Respekt, da sie sich so „großartig für den Klimaschutz engagiere“. Aufgrund der Tatsache, dass Mutlangen eine sehr geringe Windhöffigkeit hat, sei der Bau der Biomasseheizanlage ein wichtiger Schritt, um die ehrgeizigen Ziele des Klimaschutzes im Ostalbkreis zu erreichen. Zähle man das Stauferklinikum und das neue Bauwerk zusammen, werde sicherlich, so Pavel, eine CO2-Reduktion von 50 Prozent erreicht.
Mutlangen engagiert sich in Sachen Schutz vor Feinstaub über die gesetzten Vorgaben hinweg. „Dies ist, wenn ich an den Schwäbisch Gmünder Tunnel denke, ein Zeichen nach Berlin. Hier in Mutlangen wird gehandelt und nicht wie anderswo nur debattiert“. Wärme soll da verbraucht werden, wo sie entsteht. Dies sei hier gegeben, was die Wertschöpfung auf 100 Prozent steigert.