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Alternativen zur Kriegstüchtigkeit

Internationale Friedensforscher werben in Mutlangen für soziale Verteidigung, Versöhnung und Friedensbildung.

Im Vorfeld der Friedensdekade besuchten der Theologe und Friedensforscher Prof. Dr. Egon Spiegel sowie der chinesische Friedensforscher Prof. Liu Cheng den ehemaligen Atomwaffenstandort Mutlangen und historische Orte der Kampagne „Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung“.
Volker Nick erinnerte bei dem Treffen in der Pressehütte an die Bedeutung der damaligen Proteste: „Für uns war das nicht nur ein Protest gegen Atomwaffen, sondern auch das Einüben zivilen Widerstands gegen einen übermächtigen Gegner.“

Liu Cheng berichtete, dass die japanische Armee nach der Eroberung Nanjings im Jahr 1937 innerhalb eines Monats rund 300.000 Zivilisten und Kriegsgefangene ermordete. Als Historiker setzt er sich intensiv mit dieser Vergangenheit auseinander. Die traumatischen Erfahrungen seiner Heimatstadt führten ihn jedoch nicht zu Feindbildern, sondern zu einem Engagement für die Versöhnung zwischen China und Japan. Im Rahmen eines UNESCO-Projekts brachte er Fachleute aus China, Japan und Südkorea zusammen, um eine gemeinsame Friedenspädagogik zu entwickeln. Sein Ziel ist es, Friedensbildung als Pflichtfach in China zu etablieren. Angesichts globaler Krisen sei es wichtiger denn je, bereits jungen Menschen einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten zu vermitteln.

Aufgrund seiner besonderen Geschichte sieht Mutlangen eine Verantwortung, sich auch heute für Frieden, Völkerverständigung und die weltweite Abschaffung von Atomwaffen einzusetzen. Bürgermeisterin Eßwein betonte, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Krieg bedeute, sondern auch im täglichen Miteinander beginne. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen sei es wichtig, den Zusammenhalt zu stärken, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und den respektvollen Dialog miteinander zu pflegen.

Der Friedensforscher Egon Spiegel, der an der Universität Vechta tätig ist und als Advisory Professor am UNESCO-Lehrstuhl für Friedenswissenschaft der Nanjing University eng mit Liu Cheng zusammenarbeitet, referierte anschließend an der Pädagogischen Hochschule zum Thema: „Christliche Perspektiven in einer konfliktreichen Welt: Soziale Verteidigung als Alternative zur Kriegstüchtigkeit“.

Spiegel betonte, dass Soziale Verteidigung gegen einen äußeren Aggressor nur dann funktionieren könne, wenn eine Gesellschaft über einen ausreichenden Grundkonsens und gemeinsame Werte verfüge. Dies sehe er derzeit in Deutschland nur eingeschränkt gegeben. Umso wichtiger sei es, Methoden der Gewaltfreiheit auch im Umgang mit rechtsextremen Ideologien anzuwenden. Dazu gehörten sowohl der Dialog mit politischen Gegnern als auch entschiedener Widerstand gegen Unrecht.
Mit Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen berichtete Eßwein auch aus ihrer kommunalpolitischen Praxis. Dabei machte sie deutlich, dass eine klare Haltung gegenüber demokratiefeindlichen Positionen unverzichtbar sei. Gleichzeitig reiche eine reine Abgrenzung allein nicht aus. „Wir müssen uns mit den Sorgen und Anliegen der Menschen auseinandersetzen, demokratiefeindliche Argumente sachlich widerlegen und überzeugende Alternativen aufzeigen.
Demokratie lebt vom Dialog, vom gegenseitigen Respekt und davon, dass wir unsere Gesellschaft zusammenhalten.“

Trotz der krisenhaften Weltlage und gesellschaftlicher Spannungen bewerteten die Diskutierenden die Entwicklung nicht als hoffnungslos. Politische Veränderungen seien oft nicht vorhersehbar. Das Ende des Kalten Krieges habe kaum jemand vorausgesehen. Auch aktuelle politische Entwicklungen wie die Wahlen in Ungarn und den USA zeigten, dass gesellschaftliche und internationale Veränderungen möglich bleiben.

benz

"Als Bürgermeisterin von Mutlangen darf ich Sie alle recht herzlich in Mutlangen, einer liebens- und lebenswerten Gemeinde mit rund 6.900 Einwohnern im Ostalbkreis willkommen heißen."Weiterlesen

Stephanie Eßwein, Bürgermeisterin